Prof. Dr. med. Jürgen Koehler: „Neue Impulse halten das Denken wach.“
Zukunft Pflege: Herr Prof. Dr. Koehler, die Marianne Strauß Klinik ist ein Behandlungszentrum für Multiple Sklerose Patienten. Was bedeutet diese Spezialisierung für Geschäftsleitung, Ärzte und Pflegepersonal?
Prof. Dr. med. Koehler: In vielen Kliniken sind organisatorische Abläufe des Klinikalltags sehr ähnlich und alle haben das zentrale Bestreben, jedem Patienten trotz nötiger standardisierter Vorgehensweisen, medizinisch und pflegerisch möglichst individuell zu helfen. Unsere Spezialisierung auf Behandlung der Multiplen Sklerose stellt unsere Ärzte, das Pflegeteam und die Klinikleitung aber natürlich vor Aufgaben und Herausforderungen, die es in einem allgemeinen Krankenhaus so nicht gibt. Denn im Fokus unserer Hauses, ob in unserer Akutklinik, Tagesklinik, Ambulanz oder im Pflegeheim, steht die ganzheitliche Behandlung (medizinisch-diagnostisch, therapeutisch und psychosozial) der Multiplen Sklerose mit ihren spezifischen Symptomen in allen Stadien der Erkrankung. Das setzt neurologisches Fachwissen, medizinische Kompetenzen in Diagnostik und Therapie sowie andere Qualifikationen und Fähigkeiten voraus.
Zukunft Pflege: Was heißt das konkret für Ärzte- und Pflegeteam?
Prof. Dr. med. Koehler: Die Diagnose „Multiple Sklerose“ bedeutet für einen Patienten etwas ganz anderes, als beispielsweise ein einmal notwendiger chirurgischer Eingriff. Es ist eine einschneidende Veränderung für das gesamte Leben. Das Wissen, dass die Krankheit von nun an immer da ist und man nie wieder völlig gesundet, konfrontiert die Patienten mit großer Angst und Unsicherheit. Das erfordert von Ärzten, Therapeuten und Pflegeteam, sich sensibel und individuell mit dem Patienten auseinander zu setzen. Neben dem erwähnten medizinischen Spezialwissen für Diagnose und Therapie sind hier besonderes Einfühlungsvermögen und Geduld unverzichtbar. In aller Regel begleiten wir Patienten über eine lange Strecke, in der die einzelnen Phasen der Erkrankung unterschiedliche Therapieformen erforderlich machen. Der Austausch des betreuenden ärztlichen und pflegerischen Teams muss permanent gegeben sein.
Zukunft Pflege: Herr Prof. Dr. Koehler, Sie sind seit einem Jahr medizinischer Geschäftsführer der Klinik und haben bereits einige Veränderungen angestoßen – welche sind das und zeigen sie erste Erfolge?
Prof. Dr. med. Koehler: Wir haben damit begonnen, die Klinik nach Schwer-punktbereichen zu gliedern. Das entspricht exakt dem, was ich gerade geschildert habe: Wir orientieren uns an den verschiedenen Phasen bzw. Stadien der MS-Erkrankung. So wird es den Bereich der Frühtherapie geben, einen neurologisch-psychiatrischen Bereich, einen neurologisch-immunologischen Bereich sowie einen Pflegebereich bis hin zu palliativer Begleitung. Diese Bereiche sind interdisziplinär miteinander vernetzt und die dort agierenden Ärzte/innen, Therapeut/inn/en und Pfleger/innen kommunizieren nicht nur eng miteinander, sondern wechseln in größeren zeitlichen Abständen, wo sinnvoll und möglich, auch in andere Bereiche, so dass beispielsweise ein Pfleger die Probleme, Symptome und Anforderungen jedes Krankheitsstadiums kennen lernt. Auf diese Weise steigern wir die Kompetenz des gesamten Klinik-Teams, wirken Routine entgegen und halten den Geist durch neue Erfahrungen wach. Zudem kann sich der Einzelne so ein Mehr an Wissen aneignen, das ihn/sie hinsichtlich der Multiple Sklerose Erkrankung weiter spezialisiert. Die begonnen Veränderungen verlangen natürlich vom gesamten Klinikteam die Bereitschaft zu Flexibilität – und hier sehe ich die ersten wesentlichen Erfolge. In der Beweglichkeit, die unsere Mitarbeiter/innen an den Tag gelegt haben, über ihren eigentlichen Bereich hinauszublicken, sich aktiver auszutauschen.
Unser Miteinander hat an Intensität und Qualität gewonnen.
Zukunft Pflege: Bleiben wir beim Beispiel des Pflegers. Für wen kann eine Pflegetätigkeit in Ihrer spezialisierten Klinik interessant sein?
Prof. Dr. med. Koehler: In unserer Klinik sind natürlich die Eigenschaften und Kompetenzen gefragt, die jeder in Medizin und Pflege Tätige mitbringen sollte:
eine soziale Ader, medizinisches Interesse, Hinwendung zu Menschen, ein positives Wesen. Die Vorteile, die unsere Spezialklinik Pflegeinteressierten bietet, bestehen zum einen in der ausgeprägten Teamzusammenarbeit, der guten Kommunikation im Haus, den Möglichkeiten über die Bereichsstruktur sein Wissen beständig zu erweitern, nicht stehen zu bleiben. Zudem können Pflegemitarbeiter/innen oft mehr Anerkennung und Erfolg „ernten“, da die durchschnittliche Aufenthaltsdauer unserer Patienten deutlich länger ist als die in anderen Kliniken. Es ist keine Seltenheit, dass Patienten 16 Tage, bzw. sogar bis zu drei, vier Wochen bei uns sind. Da erfahren Sie natürlich in einer Pflegebeziehung generell mehr Zuspruch und erleben persönliche Sinngebung in Ihrem Tun.
Zukunft Pflege: Pflegepersonal ist allerorts gesucht, was bietet die Marianne-Strauß-Klinik ihrem Pflegepersonal über diese fachspezifischen Vorteile hinaus?
Prof. Dr. med. Koehler: Vermutlich zielen Sie mit Ihrer Frage auf unsere auf dem Gelände liegenden Personalwohnungen ab. Das ist natürlich für den einen oder anderen schon ein zusätzliches Argument: dass wir unseren Mitarbeiter/innen,
hier am Starnberger See - in einer Entfernung von nur 5-Gehminuten zum See - Wohnungen in unterschiedlicher Größe zu Mitarbeiterkonditionen anbieten können. Dennoch sind die kollegiale Atmosphäre im Haus, die Unterstützung durch Mentoren im Klinikalltag und die Möglichkeiten, Zusatzausbildungen zu machen, für die meisten stärker ausschlaggebend, weil sie dafür sorgen, dass sich jeder täglich in seinem beruflichen Umfeld wohl fühlen kann und positiv gefordert wie gefördert wird.
Zukunft Pflege: Eine letzte Frage: Was sind Ihre Zukunftswünsche für die Klinik?
Prof. Dr. med. Koehler: Ganz klar: dass wir den eingeschlagenen Weg fortführen und solide ausbauen. Wenn ich vorhin als einen ersten erzielten Erfolg die Qualität unseres Miteinanders ansprach, dann ist es das, was ich mir auch für die Zukunft wünsche: dass wir in unserer kollegialen Kommunikation und fachlichem Engagement weiter an Stärke gewinnen.
Zukunft Pflege: Herr Prof. Dr. Koehler, wir danken Ihnen für das Gespräch.
Prof. Dr. med. Koehler:
Wann immer Sie Fragen haben: gerne.