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Dr. Clemens Guth: „Wer den Mut hat sich zu hinterfragen, kann nur gewinnen“

Dr. Clemens Guth Zukunft Pflege: Herr Dr. Guth, gleich beim  Betreten des  Benedictus Krankenhaus sieht und spürt man die Veränderungen, die in den letzten Monaten vorgenommen wurden. Große Fenster, helle großzügiger Empfangsbereich. Sind weitere bauliche oder sonstige Veränderungen geplant?

Dr. Clemens Guth: Ja, sowohl als auch. Umbauten und Gestaltung sind natürlich die deutlich sichtbaren Zeichen der Veränderungen, die wir im und mit dem Benedictus Krankenhaus vollziehen. Das großzügige, helle und freundliche Entree zeigt ebenso, wie die im gesamten Haus angebrachten und von Patienten wie Gästen sehr geliebten künstlerischen Fotos der Starnberger Region, wie sich der Geist, das Verständnis der Klinik entwickelt. Wir öffnen das Haus, schaffen Transparenz und Geborgenheit zugleich und richten das ärztliche und pflegerische Handeln interdisziplinär an der Situation des Patienten aus.

Zukunft Pflege: Das klingt sehr gut, aber steht nicht in jeder Klinik der „Patient im Mittelpunkt“? Wie sieht das im Benedictus Krankenhaus konkret aus?

Dr. Clemens Guth: Natürlich ist in jeder Klinik der Patient die Hauptperson. Aber der Erfolg seiner Behandlung hängt von vielen Faktoren ab, die in den verschiedenen Kliniken unterschiedlich organisiert, gewichtet und gelebt werden. Für uns bedeutet das zunächst, die Situation eines Patienten grundsätzlich zu erfassen. Er bzw. sie betritt ein Krankenhaus ja mit gemischten Gefühlen; trotz aller Notwendigkeit und Vertrauen in die Ärzte, gibt es Fragen, Zweifel, Ängste. Das dürfen weder die Mediziner noch das Pflegepersonal außer Acht lassen. Das heißt konkret: Ärzte und Pflegekräfte arbeiten bei uns mehr als früher im Team zusammen weil ein enges kollegiales Zusammenspiel für die Qualität der Behandlung essentiell ist. Patienten spüren das auch, wenn ein fachlicher Austausch zu ihrem Wohl stattfindet.

Die Medizin kann noch so kompetent sein, wenn die Pflege nicht die gleiche Qualität hat, fehlt etwas Entscheidendes. Umgekehrt reicht es natürlich nicht, wenn die Pflege hervorragend ist, die Medizin aber hinter ihr zurücksteht.

Auch die Medizin tauscht sich mehr als früher über ihre disziplinären Grenzen aus:

Basis für den Behandlungsprozess im Krankenhaus ist das Krankheitsbild das Patienten, nicht die Fachrichtung. Vereinfacht ausgedrückt: „Rückenschmerz“ heißt nicht gleich: „Orthopädie“, sondern die Bewertung des Befundes durch ein für das Krankheitsbild relevantes Ärzteteam, das gemeinsam die für den Patienten erfolgversprechendste Therapie entwickelt.

Zukunft Pflege: Gleichzeitig spezialisiert sich das Benedictus Krankenhaus ja auch auf bestimmte Kernbereiche. Wie geht das: einerseits verschiedene Disziplinen verknüpfen, andererseits auf Spezialgebiete fokussieren?

Dr. Clemens Guth: Beides sind Entwicklungen in Richtung zu mehr Qualität. Die interdisziplinäre Verknüpfung medizinischer Kompetenz sichert umfassende Betreuung für den Patienten.

Interdisziplinär bedeutet übrigens auch, dass neben aller Technik, allen High Tech Möglichkeiten, der seelische Aspekt eine große Rolle spielt. Wird die Seele nicht in den Heilungsprozess eingebunden, machen wir einen Fehler. In dieser Hinsicht lernen wir Mediziner hier viel vom Orden und sind dankbar für die vorhandene Tradition dieses Hauses.

Gleichzeitig wissen wir um unsere Grenzen. Zu sagen „wir machen alles“ wäre vermessen. Wenn ein Patient mit einem spezifischen Krankheitsbild weiterführend untersucht und behandelt werden muss, leiten wir ihn, bzw. sie zu Kollegen weiter, die hierfür spezialisiert sind. Im Bereich  Kinder- und Jugendheilkunde haben wir z.B. hervorragende Erfahrungen mit dem Klinikum Starnberg gemacht.

Selbstverständlich bieten wir als regionale Klinik eine Grund- und Regelversorgung, aber darüber hinaus liegt der Fokus auf dem Gefäßzentrum, dem orthopädischen Zentrum, dem Schmerzzentrum und der Viszeralchirurgie. Hier liegen klare Schwerpunkte und je mehr Fälle eine Klinik in einem bestimmten Gebiet behandelt, desto differenzierter gestaltet sich das Wissen und Können seiner Mediziner und des Pflegepersonals.

Zukunft Pflege: Das bedeutet also, dass auch das Pflegepersonal Möglichkeiten zu Weiterentwicklung und Spezialisierung hat?

Dr. Clemens Guth: Selbstverständlich. Ich erwähnte vorhin, dass Mediziner und Pflegekräfte sich als Team organisieren. Da ist jede Menge Potenzial für Pflegekräfte vorhanden, sich auf verschiedensten Ebenen zu entwickeln. Beim Ausbildungs- oder auch beim Berufsteinstieg weiß man ja nicht automatisch, welche Tätigkeitsfelder einem am meisten liegen, wofür Neigungen vorhanden sind, welches Wissen und Können man zusätzlich erwerben kann.

Während manche eine in Art und Aufwand klar umrissene Tätigkeit beispielweise als Pflegeassistent bevorzugen, interessieren sich andere für eine führende Position z. B. als Pflegeleitung. Darum legen wir gerade im Pflegebereich Wert darauf, dass verschiedene Entwicklungs- und Karrieremöglichkeiten offen stehen.

Zukunft Pflege: Wie sieht das im realen Klinikalltag aus - „verschiedene Entwicklungsmöglichkeiten“ zu fördern“?

Dr. Clemens Guth: Wir haben seit April eine Praxisanleiterin im Krankenhaus, die ausschließlich für Ausbildung und Training da ist. Dadurch ist tägliche Unterstützung für Auszubildende gewährleistet, Fragen können sofort in der Praxis beantwortet, Beispiele direkt umgesetzt werden. Man kann vor Ort auf den Einzelnen eingehen aber auch die Teamarbeit ganz konkret auf- und ausbauen und anhand von individuellen Stärken und Schwächen gemeinsam feststellen, welche Zukunftswege denk- und förderbar sind.

Zukunft Pflege: Herr Dr. Guth, zum Schluss möchten wir das Stichwort Qualität noch einmal aufgreifen, auf das Sie als Mediziner und Betriebswirt Ihren persönlichen Fokus gelegt haben. Kann man die Qualität einer Klinik überhaupt objektiv messen?

Dr. Clemens Guth: Qualität setzt sich ja aus vielen Parametern zusammen. Und in den unterschiedlichen Bereichen einer Klinik müssen diese Parameter natürlich auch unterschiedlich aussehen. Qualität im Gesundheitswesen macht sich in erster Linie  am Ergebnis für den Patienten fest. Und das ist messbar. Natürlich muss man bereit sein, zu hinterfragen, wo etwas hakt, was verbesserungswürdig ist. Manche Mediziner schmunzeln, aber ich gehe beispielsweise immer wieder mal einen Tag in eine Abteilung der Klinik und leiste dort Pflegearbeit. Es bringt mir jedes Mal ein bisschen mehr Verständnis sowohl für den Patienten wie für die Pflegekraft.

Wenn man einen ernsthaften Qualitätsanspruch hat, muss man schon den Mut haben, sich auch selbst auf den Prüfstand zu stellen – sonst kann man nichts lernen.

Zukunft Pflege: Nun doch noch eine allerletzte Frage: Es heißt, der Erfolg einer Klinik wird sich künftig stark über die Qualität der Pflege entscheiden. Stimmt das?

Dr. Clemens Guth: Medizinische Kompetenz und Erfahrung wird immer eine große Rolle spielen. Aber wie schon gesagt: Ohne ebenso kompetente Pflege gehen Sie nur den halben Weg. Der Pflege kommt eine enorme Bedeutung zu und daher steigt das Ansehen der Pflegeberufe langsam aber deutlich auch wieder.

Zukunft Pflege: Herr Dr. Guth, wir danken Ihnen für Ihre Zeit.

Dr. Clemens Guth: Gern geschehen.